Er war schon da, bevor du es warst.

Der Stuhl.

Du erinnerst dich nicht, wie du hineingekommen bist –

nur, dass du sitzt.

Der Raum ist nicht leer, aber auch nicht voll.

Ein summendes Licht.

Ein Wandposter, das verblasst, wenn du es ansiehst.

Die Uhr tickt nicht, aber du hörst sie.

Es gibt keine Tür.

Du suchst sie trotzdem.

Du stehst nicht auf.

„Bitte nehmen Sie Platz.“

Hat das jemand gesagt?

War das vorhin?

Oder in dir?

Deine Hände ruhen auf deinen Knien.

Still.

So still, dass du glaubst, du könntest sie vergessen.

An der Wand steht ein Spender mit Broschüren.

„Was wäre gewesen, wenn…“

„Entscheidungen, die nicht getroffen wurden.“

„Rücktrittsanträge vom eigenen Weg.“

Du nimmst keine.

Du sitzt.

Und wartest.

Nicht auf deinen Namen –

denn der wird hier nicht aufgerufen.

Hier ruft nur etwas in dir.

Etwas, das nicht ruft, sondern zieht.

Zieht wie eine Frage, die nie gestellt wurde.

Nur gespürt.

Du fragst dich:

Bin ich hier, weil ich nicht entschied?

Oder weil ich entschied, nichts zu entscheiden?

Die Wand gegenüber beginnt zu flimmern.

Du glaubst, dort taucht ein Fenster auf.

Oder ein Spiegel.

Oder… ein Bildschirm?

Nein.

Nur dein Blick, der dich betrügt.

Ein anderer kommt herein.

Oder war er schon da?

Er sieht aus wie du.

Aber er sieht dich nicht.

Er setzt sich neben dich.

Gleiche Haltung.

Gleicher Ausdruck.

Gleiche Stille.

Du willst ihn fragen,

ob er dich auch kennt.

Doch du bleibst still.

Denn du spürst:

Er denkt dasselbe.

Der Raum verändert sich nicht.

Und doch wird er enger.

Oder du weiter.

Dann ein Gedanke.

Leise.

So leise, dass er flieht, sobald du ihn fassen willst:

„Was, wenn du gar nicht auf eine Entscheidung wartest,

sondern darauf, dass du dich als der entscheidest, der du bist?“

Und in dem Moment –

nur in dem einen –

ist der Stuhl leer.

Vielleicht saßt du nie dort.

Vielleicht sitzt du immer noch.

Vielleicht warst du der Raum.

Vielleicht warst du der Gedanke.

Vielleicht warst du nie die Entscheidung.

Sondern das Warten selbst.